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Rede des Gefreiten Kunze

Rede des Gefreiten Kunze

anlässlich des Aktionstages gegen das  Sommerbiwak der 1. Panzerdivision in Hannover am 22. August 2008



Alle Soldaten und Offiziere der 1ten Panzerdivision:

STILLGESTANDEN!

ACHTUNG!
STILLGESTANDEN!
AUGEN GERADE AUS!


Soldaten, Offiziere.

Herzlich willkommen zur Lagebesprechung.

Sie kommen heute in den Genuss, die Stimmung in der Truppe direkt und ohne Filter vor die Füße gekotzt zu bekommen, die Sie seit Jahrzehnten nicht interessiert hat!

Grenadiere, Panzerschützen, Artilleristen - sie alle haben Ihnen etwas mitzuteilen, was Sie zwar wissen, aber nie hören wollten.

Heute ist es soweit!

Kneifen Sie die Arschbacken zusammen und halten Sie gefälligst das Maul, wenn wir mit Ihnen reden.
Im STILLGESTANDEN haben Sie zu schweigen!

Wir, die einfachen Mannschaftsdienstgrade, hassen Sie. Wir haben Sie schon immer gehasst.
Wir haben Euch dafür gehasst, wenn Ihr uns den technischen Ablauf des nächsten Manövers erkärt habt. Nicht nur dass Ihr Euren Arsch im Trockenen gehalten habt und die Übung aus einem warmen Fahrzeug verfolgt habt, während wir durch den Schneematsch krochen!

Ihr habt uns auch erklärt, wo wir auf "Feind" stoßen könnten und wer im Verlaufe des Manövers ausfallen wird.
Ihr habt nichts anderes gemacht als zu zeigen, dass wir im Ernstfall verheitz würden, verstümmelt, verletzt, traumatisiert.
Und dass wir zu krepieren haben.

Wir haben dieses Leuchten in Euren Augen gehasst, wenn
Ihr die militärische Lage erörtert habt.

Und wir haben Euch die Geilheit angesehen, wenn Ihr uns habt durch die Heide robben lassen und den Befehl zum "FEUER FREI" auf die Pappkameraden gegeben habt.

Ein Kamerad meinte mal auf dem Schießplatz, Ihr seid nix als ein Haufen nekrophiler Spinner, die sich am Tod anderer aufgeilen.

Und Ihr seid rückradlose Bücklinge, die den Arsch zusammenkneifen, wenn wieder so ein Vollidiot von General die Kaserne inspiziert, so der Kamerad. Euch sei einer abgegangen, als der General ein Lob losließ.

Überhaupt die Generäle! Fachidioten und Militaristen!

Sie suchten ab und zu das Gespräch mit den Mannschaftsdienstgraden. Das war eine Farce, weil der Arsch von Hauptmann mit seiner Angst im Nacken hinten saß und die Truppe kontrollierte, während beim General hörbar
der Kalk rieselte.

Wir fragten uns:
Wie blöde muss man sein können, um eine Armee führen zu dürfen.

Bücklinge, Arschkriecher, Menschenschinder, Mörder und Vergewaltiger - so werdet Ihr in Teilen der Gesellschaft gesehen!

Soldaten, Offiziere!
Und Ihr seid gemeingefährlich, weil Ihr uns zu
Mördern ausgebildet habt.

In der Standortkirche hat der Militärpope dieses Verbrechen noch von ganz oben abgesegnet, während in den zu Kerzenständern umgebauten Artilleriegeschoßhülsen die heiligen Kerzen runterbrannten.
Damit die Ausbildung zum Mörder eine Richtung bekommt, habt Ihr uns gezwungen, verbotenes militaristisches Liedgut aus dem Zweiten Weltkrieg abzusingen - natürlich unter Strafandrohung bei Verweigerung.

Glaubt uns, wir haben Euch dafür gehasst, dass Ihr Fahnenflüchtige, denen die Freundin wichtiger war als Euer beschissenes Vaterland, durch Feldjäger habt einfangen lassen - um zu versuchen, sie in den engen, stinkigen Zellen zu brechen.

Wenn wir Wache hatten, haben wir uns mit ihnen solidarisiert und verbündet. Wir haben trotz Verbot die Zellen geöffnet. Denn statt Eure beschissenen Kasernen zu bewachen, haben wir uns unter die Büsche gelegt und den Wecker gestellt - damit wir die Wachablösung nicht verpassen. Oder um rechtzeitig dem OvWa, dem diensthabenden Wachoffizier, eine Meldung abzusetzen.
Wir haben Skizzen angefertigt und den Antimilitaristen außerhalb der Kaserne zukommen lassen - mit der Bitte, die Kaserne mit ihrem Kriegsgerät zu sabotieren.
Und weil uns das zu lange dauerte, haben wir
das Kriegsgerät auf der Wache selber sabotiert.
Denn wer den Panzer wartet, weiß ihn auch zu zerstören!
So gut haben wir Eure Kaserne bewacht!

Aber das war nicht genug.

Ihr habt Euch immer sicher geglaubt - doch wer die Waffe trägt, kann sie jederzeit auch gegen Euch richten.
Ihr habt geglaubt, wenn Ihr uns nur kräftig den Marsch blast, uns durch die Felder jagt und uns im "STILLGESTANDEN" Standpauken haltet, würdet Ihr uns klein kriegen.

Ihr habt euch so sicher gefühlt, dass Ihr kein Mal bemerkt habt, wenn ein Kamerad die Waffe auf EUCH richtete.
Der Schlagbolzen schlug hart gegen den Verschluss, doch sie haben nichts gemerkt, außer vielleicht ein leichtes Kribbeln im Rücken! Denn die Waffe war gesichert! Noch!

Was glauben Sie eigentlich wie sicher Sie sind, wenn Sie Soldaten ins Ausland schicken? Glauben Sie, wirklich nur der Taliban sei Ihr Feind?
Was bilden Sie sich in Ihrer lächerlichen Uniform eigentlich ein: Dass sie vor Traumatisierung, Frust und Hass sicher sind?

Sie glaubten die Macht über uns zu haben und uns zur Ordonanz ins Offizierscasino abkommandieren zu können, damit Ihresgleichen und Ihre Konkubinen, die Sie Ehefrauen nennen, lustig speisen können?

Natürlich konnten wir uns nicht immer wehren und die Ordonanz
verweigern.
Aber was glauben Sie schwamm da in Ihrer Suppe?
Das war der Nasenschleim von Grenadier Müller. Und in der Frikadelle - da klebte der Popel von Panzerschütze Schmidt. Das Bier war angerührt mit der Pisse von Artillerist Isham.

Wir haben nichts vergessen, und nichts zu vergeben.
Darum stehen wir hier, um Eure Niederträchtigkeit anzuklagen:
Euch soll die Hand abfallen, wenn Ihr nochmal ein Gewehr in die Hand nehmt!

Und Euer Schwanz soll Euch am Leibe verfaulen, wenn Ihr
militaristischen Ritualen frönt!

Der Teufel soll Euch holen, wenn Ihr für das Tragen der Uniform den Segen Gottes erbittet!
Und Eurer Gattin wünschen wir die Unfruchtbarkeit an den Leib, damit sie Euch keine Soldaten und Soldatinnen mehr gebären kann!

Steigen Sie aus! Legen Sie die Uniform ab! Legen Sie die Waffe ab!
Gegen jeden Krieg!
Wiederentwaffnung jetzt!
Offiziere der ersten Panzerdivision ! WEGGETRETEN ZUM ESSENFASSEN !
Wohl bekomm's, Kameraden.

--

Nachbemerkung (kleingedruckt):

Der Gefreite Kunze hat seinen Grundwehrdienst in einer der Kasernen abgeleistet, die der 1ten
Panzerdivision unterstehen. Über Traumatisierung und Selbstverstümmlung der Soldaten, um sich (Auslands-)Einsätzen zu entziehen, hat er nichts gesagt, obwohl sie auch Gegenstand von Erfahrung sind.AntimilitaristInnen & AnarchistInnen machen einen Fehler, wenn sie nicht auch versuchen, einfache Soldaten zu agitieren und an deren widerspüchliche Erfahrung anzuknüpfen.

Dass dies nicht leicht ist, steht außer Frage. Ehemalige Soldaten aber wissen, wie aktive Soldaten anzusprechen sind, damit diese auch errreicht werden können. Diese Erfahrungen müssten weitergegeben werden. Es sind auch die "eigenen" Soldaten, also jene aus der eigenen Klasse im "eigenen" Land, die Kriegsfronten zusammenbrechen lassen können. Jeder Soldat, ob männlich oder weiblich, der sich aus dem Militärapparat löst oder in diesem nicht mehr funktioniert und dies herrschaftskritisch reflektiert, ist eine Bereicherung unserer Auseinandersetzungen und unseren Widerstands.

Gefr. Kunze bespielsweise agitiert bewusst gegen die Offizierskaste, die einen von mehreren der inneren Widersprüche in der Bundeswehr ausmachen. Auf dass der Klassenantagonismus auch innerhalb des Militärs offen zu Tage trete!
Ankündigungen (siehe: Aufrufe und Einladungen)  
  Zur Zeit sind Soldaten der Bundeswehr in folgenden Ländern im Einsatz:

Kosovo, Bosnien und Herzegowina, Georgien, Afghanistan, Usbekistan ,Sudan
Horn von Afrika (Djibouti) und vor den Küsten Libanons und Somalias

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Zahlreiche Werbetermine der Bundeswehr findet ihr unter:

www.kehrt-marsch.de

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