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KSK in Kundus?

ZEIT -ONLINE - Datum 29.1.2010 - 14:44 Uhr

Kundus-Affäre

Geheime Kommandosache Kundus

Neue Details im Fall Kundus: Ungewöhnlich viele KSK-Soldaten waren Anfang September im Feldlager stationiert. Der Luftschlag war zudem kein Einzelfall.

Ein Soldat des Kommandos Spezialkräfte trainiert für
den Einsatz (Archivbild)

Ein Soldat des Kommandos Spezialkräfte trainiert für den Einsatz (Archivbild)

Neue Details in der Kundus-Affäre deuten darauf hin, dass deutsche Spezialkräfte umfangreich an den Vorgängen rund um die  Tanklaster-Bombardierung beteiligt waren: Die Bundeswehr hatte Anfang September zahlreiche Elitesoldaten in Kundus zusammengezogen. 120 Soldaten der geheimen Spezialeinheit Taskforce 47 wurden im oder in der Nähe des Feldlagers Kundus eingesetzt. Darunter waren mindestens 60 Mann des Kommandos Spezialkräfte (KSK), der Eliteeinheit der Bundeswehr. Ebenso unbekannt ist bisher: Die Taskforce 47 soll vor der Bombardierung bei Kundus am 4. September mehrfach amerikanische Luftunterstützung angefordert haben – mindestens fünf Bombardierungen von Zielen in Afghanistan sollen auf deutschen Befehl hin geschehen sein, erfuhr ZEIT ONLINE von einem Insider.



Dass so viele KSK-Männer in Kundus stationiert waren, war bisher nicht bekannt. Das KSK besteht aus bis zu 1200 Mann, die aktiven Einsatzkräfte des Kommandos umfassen rund 240 Mann, sagt ein Verteidigungsexperte. Die genaue Zahl hält das Verteidigungsministerium geheim. Rund ein Viertel dieser Spezialisten seien in den Tagen vor der Bombardierung in dem Feldlager zusammengezogen worden. Das ist außergewöhnlich viel.

Normalerweise operiert das KSK in kleinen Teams. Gruppen von vier Mann beobachten etwa tagelang Gehöfte, um von der Isaf gesuchte Taliban-Anführer aufzuspüren. Targeting nennen die Spezialkräfte das. Eine große Anzahl dieser Spezialisten in Kundus deutet jedoch auf größere Aufgaben hin. Dazu schweigt das Verteidigungsministerium. "Das KSK unternimmt nichts ohne Zustimmung aus Potsdam", sagt Rainer Arnold, Obmann der SPD im Verteidigungsausschuss. Der Einsatz der Spezialtruppe ist durch das Isaf-Mandat gedeckt. Für den Wiederaufbau ist das KSK jedoch nicht dort.

"Das KSK hatte im September bei Kundus einen Einsatzschwerpunkt", bestätigt Hans-Peter Bartels, Verteidigungsexperte der SPD. Er und andere Mitglieder des Untersuchungsausschusses wollen klären, welche Rolle die Spezialkräfte bei der Bombardierung gespielt haben. Bei dem Luftschlag starben nach Angaben der Nato bis zu 142 Menschen, darunter viele Zivilisten. Mehrfach haben Abgeordnete bereits den Versuch unternommen, den Einfluss des Bundestages auf Operationen der Spezialkräfte zu stärken. "Im Kurnaz-Untersuchungsausschuss haben wir den Antrag gestellt, die Kontrolle des Parlaments über das KSK zu stärken", sagt Arnold.
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In der Nacht zum 4. September
befahl Oberst Georg Klein den Luftschlag gegen zwei Tanklaster, die von Taliban entführt worden waren. Die Taskforce spielte dabei eine große Rolle. So steht im Isaf-Bericht zu den Vorgängen in und nach der Bombennacht, dass der Luftschlag von der Taskforce 47 initiiert worden sei. Das bestreitet die Bundeswehr.

Geführt wird die Taskforce 47 nicht von Kundus aus, sondern vom Regionalkommando in Masar-i-Sharif. Bis zum September 2009 kannte fast niemand diese geheime Spezialeinheit der Bundeswehr. Ihre Aufgabe ist es, Gegner aufzuklären, die deutschen Feldlager zu beschützen und afghanische Informanten zu führen. Außerdem betreibt sie die Flugleitung für Kampfjets im Norden Afghanistans.

Fest steht, dass ein Offizier des KSK, der zur Taskforce 47 gehörte, den Kontakt zu einem afghanischen Informanten hielt, der den Kommandostand der Spezialeinheit über Vorgänge bei den Tanklastern auf dem Laufenden hielt. Der Informant war aber nicht selbst am Fluss, in dem sich die LKW auf einer Sandbank festgefahren hatten, sondern telefonierte mit Bekannten am Ort. Die Aussagen dieses Informanten waren neben den Luftbildern von zwei amerikanischen F15-Kampfjets die wesentlichen Informationsquellen, die Oberst Klein in der Bombennacht zur Verfügung standen.

Den Kontakt zu den amerikanischen Kampfflugzeugen hielt ebenfalls ein Mitglied der Taskforce 47, ein Fliegerleitfeldwebel. Im Isaf- und im Feldjägerbericht taucht er meist unter dem Decknamen "Red Baron" auf. Er leitete von einem speziellen und hochmodernen Kommandostand der Taskforce 47 im Feldlager Kundus auch Kleins Befehl an die Jets weiter, zwei Bomben auf die Tanklaster abzuwerfen.

Was bislang nur wenige wissen: Diese Bombardierung war kein Einzelfall. Die Taskforce 47 soll mehrfach amerikanische Kampfflugzeuge angefordert haben. Fünf Bombardierungen gegen mutmaßliche Taliban in Nordafghanistan habe allein ein Flugleitoffizier, der an der Kundus-Bombardierung beteiligt war, vor dem September begleitet, erfuhr ZEIT ONLINE.

Das Verteidigungsministerium hingegen gibt an, dass die Bombardierung von feindlichen Kämpfern kein Teil der Strategie der Bundeswehr sei. Die gezielte Vernichtung von Gegnern gehöre "natürlich nicht" zu den Aufgaben der Bundeswehr in Afghanistan, sagte auch der neue Generalinspekteur Volker Wieker.

Über weitere im deutschen Auftrag ausgeführte Luftangriffe wurden die Abgeordneten im Verteidigungsausschuss bisher nicht informiert. Offen bleibt auch, wer der Taskforce 47 und dem dazu gehörenden KSK die Erlaubnis für die Luftschläge erteilt hat. Für die Führung des KSK in Afghanistan ist das Kommando Führung Operationen Spezialkräfte in Potsdam zuständig. Auf eine Anfrage des Abgeordneten Bartels nach Kontakt zwischen dem Lager in Kundus und weiteren Dienststellen antwortete das Ministerium allerdings, es habe keine Verbindung zwischen dem Feldlager und dem Einsatzführungszentrum gegeben.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung bestand zwischen dem Fliegerleitfeldwebel und einem übergeordneten Luftwaffenverbindungsoffizier im regionalen Hauptquartier in Masar-i-Sharif eine Verbindung. Der Oberstleutnant sei für die Planung und Koordination von Luftunterstützung der Taskforce 47 zuständig gewesen.

Dass Spezialkräfte stundenlang mit Hilfe amerikanischer Kampfflugzeuge aufklären, ohne höhere Dienststellen über die Ergebnisse zu informieren, scheint unwahrscheinlich. Bevor die zwei F15-Kampfjets, die später die Bomben ausklinkten, die Bewachung der Tanklaster übernahmen, verfügten die Soldaten der Taskforce über Bildmaterial eines amerikanischen B1-Bombers. Der taktische Bomber spürte die Tanklaster an der Furt auf. Das Flugzeug behielt die Laster lange im Blick, dann ging ihm der Sprit aus und es kehrte zum Stützpunkt zurück.



Geheime Kommandosache Kundus

Doch warum war das mächtige Kampfflugzeug, das sogar Atombomben tragen kann, überhaupt in der Luft? Gegenüber dem Verteidigungsausschuss gab das Ministerium an, der B1-Bomber sollte ein von Aufständischen fahruntüchtig geschossenes Bundeswehrfahrzeug vom Typ Dingo finden und notfalls zerstören, damit das Funkgerät in dem Fahrzeug nicht in die Hände der Taliban falle. Verteidigungsexperten halten diese Angabe für wenig plausibel – dafür hätten auch Kampfhubschrauber ausgereicht – und auch die zahlreich im Feldlager Kundus stationierten KSK-Soldaten hätten den Dingo sichern können.

Viele Fragen in der Kundus-Affäre bleiben offen. Der Untersuchungsausschuss wird über das KSK in nicht öffentlicher Sitzung tagen, denn das Kommando operiert stets im Geheimen. Über seine laufenden Missionen in Afghanistan erfahren selbst die Abgeordneten des Verteidigungsausschusses selten etwas. Aus diesem Gremium ist im Dezember der Kundus-Untersuchungsausschuss hervorgegangen. Seitdem sind die Fachpolitiker auf zahlreiche Ungereimtheiten und Informationsmängel gestoßen. Von der Existenz der Taskforce 47 wurden die Obleute des Verteidigungsausschusses erst nach der Bombardierung, am 6. November, informiert, obwohl die Spezialeinheit lange zuvor im Feldlager Kundus einen eigenen Bereich erhalten hatte. Von der Beteiligung des KSK an dem Luftschlag erfuhren die Abgeordneten erst im Dezember aus der Bild-Zeitung.

Verteidigungsstaatssekretär Rüdiger Wolf sagte im Bundestag, dass der Luftangriff bei Kundus keine Operation der Taskforce 47 gewesen sei. Welche Operation die Spezialkräfte stattdessen in der Region unternahmen, sagte er nicht. Welche Spezialkräfte noch an der Bombardierung beteiligt waren, lässt sich selbst aus den deutschen Berichten schwer entnehmen. So wurden in manchen Berichten die Wappen einzelner Einheiten nur abgedeckt vervielfältigt. Und mehrfach seien sehr kurzfristig Dienstpläne in den Tagen vor dem 4. September geändert worden. Zudem weise das Einsatzprotokoll der Bombennacht große Lücken auf, heißt es aus dem Umfeld des Untersuchungsausschusses. Wer wann mit welcher Aufgabe und Funktion in dem Gefechtsstand der Spezialkräfte war, müsse vom Verteidigungsministerium endlich vernünftig erklärt werden, fordert ein Parlamentarier: "Wenn es in der Nacht der Bombardierung einen KSK-Einsatz in der Region gegeben hat, dann muss es einen Kontakt zum Einsatzführungszentrum in Potsdam gegeben haben."

Ankündigungen (siehe: Aufrufe und Einladungen)  
  Zur Zeit sind Soldaten der Bundeswehr in folgenden Ländern im Einsatz:

Kosovo, Bosnien und Herzegowina, Georgien, Afghanistan, Usbekistan ,Sudan
Horn von Afrika (Djibouti) und vor den Küsten Libanons und Somalias

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Zahlreiche Werbetermine der Bundeswehr findet ihr unter:

www.kehrt-marsch.de

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