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Neue Kriege – neue Geschlechterkonstruktionen?

Andrea Nachtigall:

Neue Kriege –

neue Geschlechterkonstruktionen?

Zur Funktion von Geschlechterbildern in der Berichterstattung über

den 11. September und Abu Ghraib

1. Einleitung

Krieg und gewaltförmige Konflikte sind gendered (vergeschlechtlicht), d.h.aufs engste verknüpft mit der Kategorie Geschlecht. Damit sind nicht nur die geschlechtsspezifischen Auswirkungen von Krieg und Gewalt oder die unterschiedliche Involviertheit von Frauen und Männern ins Kriegsgeschehen gemeint, sondern auch die Ebene der symbolischen und diskursiven Repräsentationen. Die Kategorie Geschlecht bestimmt nicht nur über den Grad der Teilhabe an militärischer und politischer Macht sowie die Legitimation der Gewaltanwendung, sie strukturiert ebenso die sozial und kulturell konstruierten Bilder und Vorstellungen sowie die medialen Repräsentationen von Krieg und Frieden. Ausgehend von diesen Prämissen untersuche ich im Rahmen meiner Promotion Geschlechterkonstruktionen in Debatten um den „Kampf gegen den Terrorismus“. Ziel dieser feministischdekonstruktivistisch orientierten Arbeit ist es, anhand einer Diskursanalyse

der Berichterstattung deutscher Printmedien über die Anschläge vom 11. September 2001 und der beiden folgenden Kriege gegen Afghanistan und Irak, die diskursive und symbolische Verschränkung von Geschlecht und Krieg1 deutlich zu machen. Dabei verstehe ich „Geschlecht“ (Gender) – stets in Verbindung mit anderen Kategorien sozialer Ungleichheit wie „Ethnie“, Klasse, Nationszugehörigkeit, Religion, Alter etc. – als grundlegendes Strukturprinzip von Gesellschaft, welches demzufolge auch das Kriegsgeschehen (mit) prägt. Daneben möchte ich vor allem den Nutzen einer genderorientierten

Untersuchung für die Politikwissenschaften hervorheben, die bisher auf eine

Einbeziehung der Kategorie Geschlecht weitgehend verzichtet hat.

Die Kategorie Geschlecht fungiert als ein binäres Deutungsmuster im Kriegsgeschehen – neben anderen Oppositionspaaren wie Freund/Feind, gut/böse, Zivilisation/Barbarei – und wird darüber hinaus zu einer bedeutenden Kategorie in der medialen Darstellung und Legitimation von Krieg und Gewalt. Stereotype Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit strukturieren und prägen nicht nur die Charakterisierung konkreter Personen

insbesondere die Feindbildkonstruktionen, sondern auch die Konstruktionen von Nation, „Terror“ und Angst, von Sicherheit und Schutz, von Sieg und Niederlage, von Kampf und Krieg verbunden mit propagierten Handlungsoptionen, Einstellungen, Haltungen, Werten etc. Mit der Zuweisungen von stereotypen vergeschlechtlichten Eigenschaften geht eine Aufwertung männlich kodierter Tugenden (Entschlossenheit, Mut, Tapferkeit, Rationalität,

Vernunft, Stärke etc.) bei gleichzeitiger Abwertung bestimmter weiblich kodierter Eigenschaften (Irrationalität, Emotionalität, Unberechenbarkeit, Schwäche etc.) einher. Andere Eigenschaften, die ebenfalls dem kulturell vorherrschenden stereotypen Bild von Weiblichkeit entsprechen wie Fürsorge, Solidarität, Hilfsbereitschaft etc. erfahren dagegen eine Aufwertung, da sie eine zentrale Rolle im Rahmen der symbolischen Konstitution der Nation spielen.

Die (vergeschlechtlichten) Darstellungen von AkteurInnen im Kriegsgeschehen, z.B. RegierungsvertreterInnen, Kriegsopfer, Gegner und Feinde, sind deshalb ebenso Gegenstand der Untersuchung wie die impliziten Gender-Bezüge, die in Debatten um „westliche Werte“,

 

 (1) Es ist sicherlich nicht zulässig, den 11. September als Krieg zu bezeichnen. Alltagssprachlich hat sich jedoch bereits kurz nach den Anschlägen der Begriff „Krieg“ durchgesetzt: „Krieg gegen den Terror“, „Amerikas neuer Krieg“ oder „America is at War“ (Bush). Wie weitreichend diese Deutung derAnschläge als „Kriegserklärung“ die gesamte Debatte sowie den Handlungsrahmen nachhaltig geprägthat, zeigt z.B. Christoph Weller (2004). Dennoch bleibt die Verwendung des Kriegsbegriffs an dieser Stelle unscharf, ich werde jedoch später darauf zurückkommen. Besonders ältere feministische Ansätze unterscheiden häufig nicht zwischen den Begriffen Krieg und Konflikt, da es sich hierbei um relativ neue Differenzierungen handelt. Vgl. zu dieser – nicht nur begrifflichen – Problematik auch die Diskussion um so genannte „neue Kriege“ (Kaldor 2000; Münkler 2002).

 

 „Sicherheit“, „Normalität“ etc. aufscheinen.(2) Zudem gilt es zu klären, ob tradierte Vorstellungen von „militarisierter Männlichkeit“ und „friedfertiger Weiblichkeit“ heute noch Gültigkeit besitzen, oder ob sich nicht vielmehr Brüche und Veränderungen andeuten im Zuge fortschreitender Gleichberechtigung, Öffnung des Militärs für Frauen, Repräsentationen weiblicher Täterinnen und veränderter Formen von militärischen Einsätzen und Kriegen.

Darüber hinaus werden innerhalb dieser genderorientierten Untersuchung die politischen und ideologischen Begründungsmuster näher beleuchtet, die den „Kampf gegen den Terrorismus“ unvermeidlich erscheinen lassen. In den Blick geraten dabei besonders die Funktionen dichotomer Geschlechterbilder in Hinblick auf die kulturelle Legitimation und Akzeptanz kriegerischer Gewaltausübung. Die Frage, warum Kriege gesellschaftsfähig bleiben

(Wasmuht 2002), kann ohne die Berücksichtigung der Kategorie Geschlecht

nur unzureichend beantwortet werden. Wie die Untersuchung gezeigt hat, stellt die Kategorie Geschlecht für die kulturellen Legitimationen von kollektiver Gewalt und Krieg, insbesondere für die Konstitution von Gemeinschaft/Nation und als Legitimationsbasis von zu verteidigenden „westlichen Werten“, eine zentrale Ressource dar. Innerhalb binärer

Oppositionen wird (kriegerische) Gewaltausübung nach wie vor als „männlich“ konstruiert und legitimiert, während Frieden und Friedfertigkeit als traditionell weibliche Attribute aufscheinen, zu deren Schutz Kriege geführt werden (müssen). Der Bezug auf „Frauenrechte“ diente auch im Afghanistankrieg dazu, den Krieg moralisch zu legitimieren. Männer werden

überwiegend als aktiv Handelnde ins Bild gesetzt während Bilder von Frauen das repräsentieren, wofür Männer zu kämpfen und notfalls auch zu sterben haben - den Sieg, die Freiheit oder die Nation. Während Appelle an Verteidigung und Schutz einer Nation nach außen vor allem an stereotype Vorstellungen kämpferischer „Männlichkeit“ anknüpfen, sind die nach dem 11. September ebenso anzutreffenden Appelle an gegenseitige Hilfsbereitschaft

und Pflege der „verwundeten“ Nation häufig angelehnt an das idealtypische Bild einer Familie, was wiederum einen klassisch „weiblichen“ Zuständigkeitsbereich markiert (vgl. dazu auch Wenk 1999). Als besonders interessantes Phänomen im Spannungsfeld geschlechtlich konnotierter Zuschreibungen nach dem 11. September erweist sich die Konstruktion eines neuen Feindbildes, des „Terroristen“, der auch die herkömmlichen

Grenzziehungen zwischen Innen und Außen(-Politik), Krieg und Frieden, Gut und Böse etc. zu sprengen scheint. Die symbolische und diskursive Repräsentation des „Terroristen“ oder auch des „Terrors“ vereint in sich sowohl stereotype Vorstellungen von Weiblichkeit respektive „Un- Männlichkeit“ (irrational, unberechenbar, naturbezogen, gesichtslos, feige

etc.) als auch von Männlichkeit (ausgeprägte Willenskraft, Mut, Tapferkeit, technische Versiertheit etc.). Siegfried Jäger (2001) stellt mit seinem methodischen Ansatz der

„Kritischen Diskursanalyse“, der insbesondere im Rahmen von Printmedienanalysen

entwickelt und erprobt wurde, ein pragmatisches Instrumentarium bereit, mit dessen Hilfe ich verschiedene große deutsche Tages- und Wochenzeitungen nach dem 11. September diskursanalytisch untersucht habe. Auf weitere methodologische und methodische Überlegungen wird an dieser Stelle jedoch verzichtet.

Ich beginne mit einer Skizze des wissenschaftlichen Hintergrunds zum Themenkomplex Gender, Krieg und Militär. Im Anschluss daran erläutere ich den spezifischen Kontext des Themas: der 11. September in Deutschland, die Debatte um so genannte „Neue Kriege“ und die Rolle der Medien in Kriegs- und Krisenzeiten. Diese Überlegungen bilden gleichsam die Hintergrundfolie meines Untersuchungsgegenstands „Geschlechterkonstruktionen“.

Abschließend möchte ich das „Gendering“ anhand einiger Beispiele und erster Untersuchungsergebnisse konkretisieren. Ein besonderes Augenmerk werde ich im Rahmen (2

 

2 Dabei haben sich die Darstellungen der USA, der Nato-Mitgliedsstaaten, der EU, der KriegsgegnerInnen

und -befürworterInnen, der Terroristen sowie der Taliban in Hinblick auf eine Untersuchung

der Funktion von Geschlechterbildern ebenfalls als sehr ergiebig herausgestellt.)

 

dieser Ausführungen auf die Debatte um die Foltervorfälle im irakischen Gefängnis Abu Ghraib legen, um die Bedeutung dieser aktuellen Repräsentationen von Weiblichkeit – Frauen im Militär, Frauen als Täterinnen – exemplarisch zu diskutierten. An diesem Beispiel lassen sich meiner Meinung nach die gegenwärtigen Prozesse in den Geschlechterverhältnissen und -diskursen sehr gut verdeutlichen. Kennzeichen der aktuellen Entwicklungen ist ein besonderes Spannungsfeld, welches aus der paradoxen Koexistenz zwischen Beständigkeit und Wandel

der Geschlechterverhältnisse resultiert.

2. Feministische Perspektiven: Krieg und Geschlecht

Eine Untersuchung des komplexen Zusammenhangs zwischen Geschlechterverhältnissen

und Krieg (bzw. gewaltförmigen Konflikten (3) ) lässt sich meines Erachtens nicht auf die Frage nach den geschlechtsspezifischen Auswirkungen von Krieg und kriegerischer Gewalt reduzieren. Zwar sind Frauen und Männer unbestritten in unterschiedlicher Weise in kriegerische Konflikte involviert und von deren Auswirkungen, insbesondere von (sexuellen)

Gewalterfahrungen betroffen (vgl. dazu Stiglmayer 1993; Seifert 1995; Zipfel 2001). Die Behauptung „Krieg ist männlich“ greift jedoch zu kurz, weil sie die unterschiedlichen Involviertheiten von Frauen in das kriegerische Geschehen – als Akteurinnen, Täterinnen, Soldatinnen, Politikerinnen etc. – ebenso wenig erfassen kann, wie mögliche Verschiebungen

und Brüche der hegemonialen Geschlechtervorstellungen. Den Zusammenhang von Gender und Krieg zu untersuchen, bedeutet aus dekonstruktivistischer Perspektive (4), neben den realen geschlechtsspezifischen Auswirkungen von Krieg, die fest verankerte und tiefgehende Verschränkung der scheinbar natürlichen Kategorien weiblich/männlich mit Frieden/Krieg zu entnaturalisieren und ihre symbolischen und diskursiven Herstellungsmechanismen sowie ihre Funktion aufzudecken.

Um diese unterschiedlichen Perspektiven – die sich keineswegs ausschließen, sondern jeweils Unterschiedliches beleuchten – näher zu erläutern, möchte ich nun auf den wissenschaftlichen Hintergrund zum Themenkomplex Gender und Krieg eingehen. Gemessen an der Vielzahl von Publikationen und Forschungsansätzen in den USA und Großbritannien (vgl. z.B. Elshtain 1987; Enloe 1989; Cockburn 1998), ist das Interesse an diesem Thema im deutschsprachigen Raum eher gering. Während sich in den Geschichtswissenschaften in den letzten Jahren auch in Deutschland eine Geschlechterforschung etabliert hat, die nach dem historischen Zusammenhang  von Krieg, Militär, Nationalstaat und Geschlecht fragt (vgl. z.B. Kühne 1996; Hagemann/Pröve 1998; Roß 2002), ist die Etablierung der Kategorie Gender in den Politik- und Sozialwissenschaften weiterhin unabgeschlossen und lückenhaft. Erst in jüngster Zeit lässt sich eine verstärkte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Fragen nach der gegenwärtigen Strukturierung von Krieg und Frieden, Internationalen Beziehungen,

 

3 Vgl. Fußnote 1. „Krieg“ ist zu einem politisch umstrittenen Begriff geworden. Besonders in der Politikwissenschaft wird diskutiert, ob eine Beibehaltung und Ausweitung des Begriffs Krieg („neue Kriege“) zur Bezeichnung großräumig organisierter Gewalt und Terrorismus sinnvoll ist. Während die Bedeutung des Kriegsbegriffs in der feministischen und kritischen Friedens- und Konfliktforschung seit langem umstritten ist, wird unter Krieg gemeinhin ein Krieg zwischen Staaten bzw. staatlichen Militärs verstanden, der durch das Völkerrecht reglementiert wird. Begriffe wie „kriegerische Konflikte“ oder „bewaffnete Konflikte“ setzen sich dagegen zunehmend zur Bezeichnung von innerstaatlichen Konflikten, Bürgerkriegen, Guerillakriegen etc. durch und sollen der inflationären Verwendung des Kriegsbegriffs entgegenwirken. In den Sozialwissenschaften und der Friedens- und Konfliktforschung wird „Konflikt“ bzw. „gewaltförmiger Konflikt“ dagegen häufig als Oberbegriff verwendet. Im Zuge weltpolitischer Veränderungen, Globalisierung, Internationalisierung von Konflikten, Zerfall von Staaten etc. erscheint es zunehmend sinnvoll, zwischen verschiedenen Formen und Begriffen von Krieg und Konflikt zu differenzieren. Die bisher vorliegenden Typologien berücksichtigen jedoch zumeist nicht, dass Krieg und (kollektive) Gewalt zutiefst vergeschlechtlichte soziale und politische Prozesse sind.

 4 Hier beziehe ich mich auf poststrukturalistische oder „postmoderne“ Theorien, die im Zuge der) Rezeption von Judith Butler Anfang der 1990er Jahre Eingang in die deutschsprachige feministische Forschung fanden. Im Folgenden verwende ich „dekonstruktivistische Ansätze“ als Oberbegriff. Vgl.zum feministischen Poststrukturalismus z.B. Raab 1998, Weedon 1987 und Butler 1991.)

 

 

Militär etc. durch Geschlecht beobachten.(5) Die eingangs zitierte These „Krieg und gewaltförmige Konflikte sind gendered“ bildet dabei die Grundlage feministischer Ansätze und Positionen, die sich wiederum aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Theorieansätzen speisen. Nach Ruth Seifert lässt sich die deutschsprachige Forschung zum Themenkomplex Gender und Militär in zwei Bereiche einteilen (Seifert 1999: 51) (6). Die eine Richtung bildet die Feministische Friedensforschung (z.B. Albrecht-Heide 1991; Wasmuht 1991; Batscheider 1993), die sich bereits in den 1970er und 1980er Jahren systematisch mit diesem Thema beschäftigte, um die es aber heute eher still geworden ist. Die andere Strömung setzt sich zusammen aus (de-)konstruktivistischen Theorieansätzen, auf die insbesondere viele der

neueren feministischen und/oder genderorientierten Ansätze Rekurs nehmen. (7)

Die wesentlichen Unterschiede liegen im je verfolgten Erkenntnis-interesse (feministisch-friedenspolitisch versus theoretisch-analytisch), sowie in der Konzeptualisierung der Kategorie Geschlecht (vgl. Seifert 1999: 60).

Die Grundlage der Analysen feministischer Friedensforschung bildet meist der strukturelle Zusammenhang zwischen Männlichkeit und Krieg, wobei Männlichkeit per se als aggressiv und kriegerisch charakterisiert wird. Krieg ist in dieser Logik die extremste Form patriarchaler Gewalt, wobei das Militär die Funktion einer „Männlichkeitsmaschine“ (Albrecht-Heide 1991) erhält. Diese Ansätze verfolgen häufig ein explizit feministisches und

friedenspolitisches Interesse, weshalb sie als moralisch und normativ kritisiert werden (vgl. z.B. Seifert 1999). VertreterInnen differenztheoretischer Ansätze (8) argumentieren mit einer genuin weiblichen Friedfertigkeit und leiten daraus eine besondere Verantwortung von Frauen im Friedensprozess ab – wodurch im Gegenzug das Bild „aggressiver Männlichkeit“

reproduziert wird. Hier wird die Problematik dieser Ansätze deutlich: Die Konstruktionsmechanismen zweigeschlechtlicher Subjektivitätsformen bleiben von der Analyse ausgespart, eine Rekonstruktion und Essentialisierung klassischer Geschlechterstereotype scheinen unvermeidlich.

Dekonstruktivistische Ansätze betonen dagegen die sozial-historische und diskursive Verfasstheit scheinbar „natürlicher“ Kategorien (Geschlecht, Ethnizität, Nation etc.) und untersuchen die theoretischen Zusammenhänge und fortwährenden Herstellungsprozesse. Im Mittelpunkt der Analyse steht die tiefe kulturelle Verwurzelung einer Symbolik, die Männlichkeit und Weiblichkeit mit Krieg und Frieden verknüpft. „Dieser Zusammenhang von

Geschlechterungleichheit und Kriegskultur ist tief in das ideengeschichtliche Fundament des modernen demokratischen Nationalstaats eingelassen.“ (Harders 2004: 462) Die Kategorie Geschlecht und die zugrundeliegende „heterosexuelle zweigeschlechtliche Matrix“ im Sinne Judith Butlers (1991) wird nicht länger als natürliche Voraussetzung verstanden, sondern sie wird selbst erklärungsbedürftig und Teil der Untersuchung. Ein normativer Bezug auf eine wie auch immer geartete Weiblichkeit ist somit ausgeschlossen, da dieses Denken innerhalb der hierarchisch strukturierten Zweigeschlechtlichkeit verbleibt und sie aufs Neue bestätigt. Dekonstruktivistische Ansätze unternehmen stattdessen den Versuch, „die theoretisch-analytische Frage nach dem Zusammenhang von Militär und Geschlecht von der politisch-

 

5 Vgl. exemplarisch die Beiträge in Neissl/Eckstein 2003; Harders/Roß 2002; Eifler/Seifert 1999 und Ruppert 1998.

6 Seifert nimmt diese Einteilung zum Thema „Militär und Geschlecht“ vor. Sie steht m.E. ebenfalls für die Forschungsrichtungen zum Thema „Geschlecht und Krieg“. Die von ihr angeführten AutorInnen – wie auch sie selbst in dem genannten Artikel – verwenden die Begriffe Krieg und Militär nicht immer klar voneinander abgegrenzt, da beide zum gleichen Themenkomplex gehören.

7 Cilja Harders (2004) dagegen unterscheidet drei Richtungen der feministischen Auseinandersetzungen mit Krieg und Frieden: 1. Kritik der theoretischen Grundlagen und ihres geschlechterpolitischen Gehalts, Klärung der Begriffe Krieg und Frieden und des Zusammenhangs von Staatsbürgerschaft, Krieg und Nationalstaat; 2. Ansätze aus der Frauen- und Friedensbewegung, Entwicklung feministischer Gegenentwürfe; 3. Erforschung des praktischen Engendering im Kriegs- und Friedensgeschehen, Frauen im Militär, in Friedensmissionen, NGOs etc.

8 Analog zu der deutschsprachigen feministischen Debatte in den 1980er Jahren gruppieren sich auch hier die Positionen um die beiden Pole Gleichheit versus Differenz.

 

 

strategischen Frage des wünschenswerten weiblichen Beitrags zum Weltfrieden zu trennen.“ (Seifert 199: 60) (9)

Konsens herrscht jedoch in beiden Richtungen über den historischen Entstehungskontext derjenigen Kategorien, die bis heute als zentrale Strukturmuster unserer Gesellschaft verstanden werden können. Seit Beginn der Moderne mit der Entstehung bürgerlicher Nationalstaaten und nationaler Armeen sind die Konstruktionen von Militär und Krieg eng verknüpft mit männlicher Identität, während das Weibliche aus der öffentlichen Sphäre

ausgeschlossen und von nun an ausschließlich für reproduzierende Tätigkeiten zuständig war. Der historische Prozess der Vermännlichung des Militärs überträgt sich auch auf das Kriegsgeschehen selbst: Frauen verschwinden aus dem sichtbaren Umfeld des Krieges und des Militärs.

Kampf und Tötungsgewalt sind ausschließlich männlich konnotiert, während Frauen im Kriegsgeschehen in erster Linie die Rolle des zivilen Opfers zukommt. Jean Bethke Elshtain (1987) bezeichnet diese beiden Wahrnehmungsmuster als „Gerechten Krieger“ und „Schöne Seele“. Diese im Verlauf der Jahrhunderte konstruierten vergeschlechtlichten Identitäten

entwickeln eine weitreichende normative Wirkung. Dadurch werden andere Identitäten, die diesen widersprechen, vernachlässigt bzw. finden keinen Eingang in hegemoniale (Geschlechter-)Diskurse.

 

Exkurs: Gender und Militär

Aktuelle Forschungsansätze befassen sich mit der Frage, wie sich vor dem Hintergrund von Globalisierung, neuen Kriegen und veränderten Sicherheitsdiskursen sowie neuen Zuständigkeiten und Aufgaben des Militärs und der Öffnung militärischer Bereiche für Frauen, die traditionellen Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit verändern (z.B. Eifler 2000; Mordt 2002; Seifert/Eifler 2003). In fast allen Beiträgen wird konstatiert, dass die

Integration von Frauen ins Militär in einer Vielzahl von Ländern auf erhebliche Widerstände stoße und neue Probleme aufwerfe. „Die Soldatin“stelle die traditionelle Rollen- und Gewaltenteilung in Frage, da sie sich nicht ohne weiteres in das klassische dichotome Muster „weibliche Friedfertigkeit“ versus „militärisch-kriegerische Männlichkeit“ einordnen lasse. (Vgl. z.B. Schießer 2002) Es kommt zu einer Neuverhandlung von Weiblichkeit und Männlichkeit, aber auch zu Versuchen, die entstandenen Verunsicherungen durch symbolisch vollzogene Rekonstruktionen klassischer Weiblichkeitsmodelle zu kompensieren, wodurch die bestehende Geschlechterordnung wieder hergestellt werden kann – so das Ergebnis einer Untersuchungvon Printmedien der Bundeswehr (Schießer 2002).

Der Frauenanteil und die von ihnen ausgeführten Tätigkeiten werden in allen Armeen mit

großer Sorgfalt kontrolliert und organisiert, damit verbunden sind große Anstrengungen, eine geschlechtsspezifische Arbeits- und Aufgabenverteilung innerhalb des Militärs zu etablieren. (Vgl. auch Seifert 1999; Seifert/Eifler 2003) Die Definition des Soldaten als männlich kann gewahrt bleiben, wenn Frauen überwiegend in waffen- und tötungsfernen Bereichen

eingesetzt werden, z.B. in der Verwaltung, im Gesundheits-, Transport- oder Fernmeldewesen. Soldatinnen sind von genuin kämpferischen Einheiten (z.B. Eliteeinheiten) und von Kampfeinsätzen mit direktem Feindkontakt und aktiver Tötungsbereitschaft weitgehend ausgeschlossen, obwohl es in fast allen westlichen Ländern in den letzten Jahren zu einer Öffnung auch dieser militärischen Bereiche für Frauen kam. (10) Die in Deutschland

 

9 Offen bleibt hier, ob Seifert neben einem normativ-friedenspolitischen Bezug auch den Bezug auf ein

dezidiert feministisches Erkenntnisinteresse ablehnt, um die wissenschaftlich-analytische Offenheit zu

gewährleisten. Ob eine solche Unterscheidung zwischen feministischen und „neutralen“ genderorientierten

Ansätzen sinnvoll ist, kann jedoch an dieser Stelle nicht geklärt werden.

10 In Deutschland sind Frauen seit 2000 offiziell zu Kampfeinsätzen zugelassen, insgesamt machen sie aber in der Bundeswehr bisher nur einen Prozentsatz von 4,4 % aus (Zahlen aus Seifert/Eifler 2003).

 

 

bisher hauptsächlich im feministischen Spektrum ausgetragene Kontroverse um die Integration von Frauen ins Militär (11) hält Einzug in die Debatten innerhalb der Bundeswehr selbst. Dabei trifft man auf bekannte Erklärungsmuster, die den Ausschluss von Frauen aus bestimmten militärischen Bereichen begründen sollen, etwa zu ihrem „eigenen Schutz“ oder aufgrund der „natürlichen Bestimmung von Frauen zum Frieden“. In diesen Argumentationsfiguren überschneiden sich feministische und konservative Argumentationsweisen.

Im Zuge internationaler Entwicklungen ist das Militär in den letzten Jahren zu einem wichtigen Akteur in den Internationalen Beziehungen geworden und seine Aufgabenbereiche haben sich, wie Christine Eifler betont, tiefgreifend gewandelt (vgl. Eifler 2000). Das Militär stehe insbesondere mit internationalen Friedenseinsätzen („Peacekeeping“) vor einem grundsätzlich veränderten Auftrag, was wiederum zu einer Neudefinition der Soldatenrolle

bzw. militärischer Fähigkeiten und Kenntnisse führe. Die Rollenverschiebungen werden von dem Umstand begleitet, dass militärische Interventionen und Kriegseinsätze nicht mehr im Namen der Vaterlandsverteidigung geführt werden, sondern im Namen der Freiheit („Enduring Freedom“) oder unter dem Label „friedensstiftend“ oder „friedenserhaltend“. SoldatInnen müssen heute vielmehr soziale Vermittler und „Beschützer“ zugleich sein und über so genannte Softskills verfügen. Der klassische Kämpfertyp hat sich in

diesem veränderten Aufgabenbereich eher als ungeeignet erwiesen. Nichtmilitärische

Fähigkeiten sollen gleichberechtigt neben die militärischen treten (ebd.: 43). Das herkömmliche Bild militärischer Männlichkeit, was sich gerade durch Ausschluss weiblich konnotierter Merkmale definierte, gerät zunehmend in eine (Identitäts-) Krise. Eine feministische Analyse darf sich also „nicht nur von der Dichotomie männlich-weiblich leiten lassen, sondern muss auch die Konflikte zwischen unterschiedlichen Männlichkeitsund

Weiblichkeitsbildern in den Blick nehmen.“ (Mordt 2002: 77) Nur so können konkurrierende Bilder von Weiblichkeit und Männlichkeit sowie Brüche und Verschiebungen, die über die Geschlechtergrenzen hinaus stattfinden, in eine Analyse mit einbezogen werden.

 

3. Der 11. September in Deutschland

Die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon gelten als historisch bedeutsame Ereignisse, welche als Auslöser einer Neuordnung internationaler Beziehungen, globaler Politik und Krieg interpretiert werden. Die NATO rief zum ersten Mal in ihrer Geschichte den Bündnisfall aus, was die Mitglieder zur „kollektiven Selbstverteidigung“ verpflichtet und einen militärischen Gegenschlag der USA und ihrer Bündnispartner ermöglichte.

Der „Krieg gegen den Terrorismus“12 wurde dabei zu einer dauerhaften rhetorischen und politischen Legitimationsfigur. Einen wichtigen Diskursstrang bildet in diesem Zusammenhang die Diskussion um so genannte „neue Kriege“ (vgl. Kaldor 2000; Münkler

2002). Die terroristischen Anschläge des 11. September und der Krieg gegen Afghanistan seien Ausdruck einer Neuartigkeit und Neuförmigkeit von Kriegen und gewaltförmigen Auseinandersetzungen im 21. Jahrhundert. Nach Herfried Münkler „(haben) die Staaten [...] als die faktischen Monopolisten des Krieges abgedankt, und an ihre Stelle treten immer

häufiger parastaatliche, teilweise sogar private Akteure – von lokalen Warlords und Guerillagruppen über weltweit operierende Söldnerfirmen bis zu internationalen Terrornetzwerken“ (2002: 7).

 

11 Die Debatte dreht sich in Deutschland in den 1970er und 1980er Jahren im Wesentlichen um zwei Positionen: Die einen befürworten eine Öffnung der Bundeswehr für Frauen im Namen der Gleichberechtigung, z.T. verbunden mit einer Hoffnung auf Pazifizierung des Militärs insgesamt. Die anderen stehen einer Öffnung für Frauen kritisch gegenüber, da sie einen Verlust „weiblicher Werte“ und kritischer Standpunkte (gegenüber Militär und Krieg insgesamt) durch Angleichung an „männliches Denken“ befürchten.

 

 

Das Neue an diesen Formen der Kriegsführung sei neben der Entstaatlichung kriegerischer Gewalt vor allem ihre „Asymmetrisierung“. Damit ist nach Münkler der Umstand gemeint, dass in der Regel nicht gleichartige Gegner miteinander kämpfen.

Es gebe keine Fronten mehr und es komme nur noch selten zu Gefechten oder großen Schlachten (ebd.: 11). Stattdessen richte sich die Gewalt der neuen Kriege vor allem gegen die Zivilbevölkerung. Weiter wird behauptet, dass sich bestimmte Formen der

Gewaltanwendung, die sich in den klassischen Kriegen bisher dem staatlichen Gewaltmonopol und einer militärischen Strategie untergeordnet hätten, zunehmend verselbständigten und eine eigenständige Dimension erlangten, was insbesondere für den

Terrorismus gelte. Münkler nennt das eine „Autonomisierung“ der Gewaltformen (ebd.). Hier wird suggeriert, dass nur ein souveräner starker Staat vor dieser unkontrollierten Gewalt schützen könne. Doch auch in den „alten“ Staatenkriegen und trotz völkerrechtlicher Regelungen waren ZivilistInnen von je her in hohem Maße von kriegerischer und häufig auch von sexualisierter Gewalt betroffen, wie feministische und friedenspolitische Ansätze gezeigt haben. Eine klare Trennung zwischen Krieg und Frieden ist dabei ebenfalls umstritten. Der Staat kann nur dann als Garant für Sicherheit und Frieden erscheinen, wenn – wie bei Münkler – die Geschlechterverhältnisse im Inneren (neben weiteren Ungleichheitsverhältnissen) ausgeblendet werden.

Eng verbunden mit den veränderten militärischen Aufgabenfeldern sind in zunehmendem Maße die schwierigen Anforderungen der politischen Legitimierung kollektiver Gewalt. Militärische Interventionen bedürfen in demokratischen Gesellschaften der Unterstützung oder zumindest Duldung durch die Bevölkerung. In deren Rechtfertigung und Legitimation erhält die „unterdrückte fremde Frau“ einen herausragenden Stellenwert bei

unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen AkteurInnen. Diese Argumentationen können als Ausdruck eines veränderten Verhältnisses bzw. verstärkten Zusammenrückens von Militär und Gesellschaft interpretiert werden. In diesem Prozess hat mit dem 11. September ein veränderter Sicherheitsdiskurs Geltung erlangt.

Im Zuge weltpolitischer Veränderungen (Ende des Kalten Krieges, Wegfall des Ost-West-Gegensatzes, Globalisierung) erlangt der 11. September auch für Deutschland eine zentrale Bedeutung. Die „uneingeschränkte Solidarität mit den USA“ (Schröder) steht im direkten Zusammenhang mit der Neubestimmung und Internationalisierung deutscher Außenpolitik. Kurz nach den Anschlägen wurde der Bündnisfall ausgerufen, und Deutschland rüstete sich in einer Art „vorauseilendem Gehorsam“ für eine mögliche Beteiligung, so das Ergebnis einer Analyse der Berichterstattung der Bild-Zeitung nach dem 11. September (Bünger 2001). In Deutschland wurde eine Zustimmungsbereitschaft geschaffen, die suggerierte, Deutschland „muss“ sich beteiligen (ebd.). Christoph Weller spricht in diesem Zusammenhang von der „Kriegserklärung des Gerhard Schröder“, die den nachfolgenden Diskurs bestimmte und an die die deutsche Außenpolitik gebunden blieb (2004: 228ff). Weller betont weiter die Anrufung und Aktualisierung kollektiver deutscher Identität nach dem 11. September. Die Deutung der Anschläge als „Kriegserklärung“ erfolgte innerhalb weniger Stunden und ließ so einen Vergeltungsschlag als angemessene Reaktion erscheinen und machte zugleich ein Identifikationsangebot: Im Krieg gibt es nur noch Freund oder Feind. Anhand dieser Kategorien sollten die Deutschen ihren Platz in der schlagartig neu konstruierten sozialen Welt der internationalen Politik bestimmen (ebd.: 229). Die medial geschürte Angst vor dem

„internationalen Terrorismus“ ließ sich in Deutschland vor allem auch dazu nutzen, eine massive Verschärfung der Inneren Sicherheit durchzusetzen (Rasterfahndung, Anti-Terror-Pakete), was mit rassistischen und orientalistischen Argumentationsweisen einherging.

 

 

12 In Deutschland setzte sich dagegen im weiteren Verlauf die Bezeichnung „Kampf gegen den Terrorismus“ durch.

 

 

Den Anschlägen wurde in besonderem Ausmaß eine mediale Aufmerksamkeit zuteil. „Nichts wird mehr so sein wie bisher“, wurde von allen Seiten konstatiert. Als besonders erschütterndes und symbolisch einmaliges Ereignis wurden sie als „Angriff auf die Zivilisation“ und „Krieg gegen die westliche Welt“ gewertet. Entlang einer Achse von Gut und Böse bzw. Zivilisation und Barbarei erfuhren gesellschaftliche Verhältnisse mit Hilfe

aufwendiger diskursiver Bemühungen eine Polarisierung und Zuspitzung, innerhalb derer die Inszenierung von Geschlecht – neben anderen Kategorien wie „Ethnizität“ – eine wichtige Rolle spielt. Innerhalb der Diskussionen um zu verteidigende „westliche Werte“ werden gesellschaftliche Macht- und Ordnungsstrukturen sichtbar und können darüber hinaus Auskunft über die Beschaffenheit der (Geschlechter-) Verhältnisse der eigenen Gesellschaft

geben.

 

4. Die Rolle der (westlichen) Medien

Medien im Krieg ist ein Thema, das seit langem öffentliche wie wissenschaftliche Gemüter bewegt. Zahlreiche medien- und kommunikationswissenschaftliche Arbeiten beschäftigen sich mit der Rolle und Funktion von Medien, die ihnen innerhalb demokratischer Gesellschaften in Kriegs- und Krisenzeiten zukommt (z.B. Löffelholz 1993, 2004; Calließ 1997; Albrecht/Becker 2002). Insbesondere im Zusammenhang mit dem Vietnamkrieg, bei dessen Verlauf und für dessen Ende die Medien eine herausragende Rolle gespielt haben, vielleicht sogar kriegsentscheidend waren, aber auch mit dem zweiten Golfkrieg und den verschiedenen militärischen Interventionen in Somalia, auf dem Balkan etc. wurde die Rolle

der Medien im Krieg kritisch diskutiert. Der 11. September bietet erneut Anlass zu einer grundlegenden Reflexion medialer Informationsstrategien. Nach Sascha Werthes et al. stehen (Massen-)Medien vor einer weiterhin ungelösten normativ-demokratischen Herausforderung, in Krisenzeiten den Anspruch einer wahrheitsorientierten, objektiven, mehrdimensionalen und

der Informierung der Öffentlichkeit verpflichteten Berichterstattung einzulösen (vgl. Werthes/Kim/Conrad 2002). In einer medienanalytischen Untersuchung der Krisenberichterstattung nach dem 11. September kommen sie zu dem Ergebnis, dass diese Aufgaben nur sehr unzureichend erfüllt wurden. Stattdessen blieb die Berichterstattung „weitestgehend ereignisorientiert bzw. eindimensional lösungsorientiert und lieferte somit kaum weiterführende Hintergrundinformationen zu Ursachen und Zielen bzw. Motivationen der Terroristen oder auch zu alternativen Handlungsoptionen.“ (Ebd.: 88) Auch andere Studien belegen, dass Medien in Kriegs- und Krisenzeiten häufig propagandistische und kriegslegitimierende Funktionen übernehmen. Die kommunikationswissenschaftliche Forschung zu Kriegen und Konflikten hat insbesondere belegt, dass sich die Medien eine

dualistische Kriegslogik, in der es nur noch Freund oder Feind gibt, mehrheitlich zu Eigen machen (vgl. Calließ 1997). Thomas Dominikowski spricht in diesem Zusammenhang von einer „strukturellen Militarisierbarkeit“ der Medien (1993: 47).

Wenn Demokratien Kriege führen, ist nicht nur eine parlamentarische, sondern vor allem auch eine „gesellschaftliche“ Legitimation unerlässlich.

Kriege werden dabei zunehmend zu „Informationskriegen“, d.h. die Macht, die gesellschaftliche Kommunikation über den Krieg den eigenen Interessen gemäß bestimmen zu können, ist kriegsentscheidend und wird zum Teil der Kriegsvorbereitung und Kriegsführung. Das massenmedial vermittelte Bild, das sich eine Bevölkerung vom Krieg macht, soll den jeweiligen politischmilitärischen Interessen entsprechend kontrolliert und geprägt werden

(Claßen 2004: 309). Zur Kriegslogistik gehört demnach die Aufgabe, die Nation zu einen und auf Krieg einzuschwören (Forster 2003: 31f). Kriege erfordern eine starke Identifikation mit der Gemeinschaft bzw. der eigenen Nation, die vor allem symbolisch (re-)produziert wird und mit der Konstruktion stereotyper Selbst- und Fremdbilder einhergeht. Moralisierungen und Emotionalisierungen sind in diesem Zusammenhang effektive Mittel, um in der Bevölkerung Zustimmungsbereitschaft und Akzeptanz für den Krieg zu schaffen (vgl. Schallenberger 1999). Dem Einsatz von besonders „starken“ bzw. emotional bewegenden Bildern kommt dabei eine große Bedeutung zu. Der strategische Ansatz, sich dabei bestimmter genderspezifischer „Images“ zu bedienen, ist nicht neu, sondern wird vielmehr seit

dem Ersten Weltkrieg systematisch weiterentwickelt (Claßen 2004: 309). (13)

Polarisierungen und Dichotomien schaffen Vereinfachungen komplexer Zusammenhänge und dienen der Feindbildproduktion, ohne die kein Krieg auskommt. (14) Andere Standpunkte müssen ausgeblendet werden, damit Krieg als (einzige) Lösung plausibel erscheint, was z.B. durch dualistische Konstruktionen von Freund- und Feindbildern, Teilung der Welt in In- und

Outgroups und die Reduzierung auf ein Gut-Böse-Schema auch nach dem 11. September garantiert wurde. Weitere Strategien der Medien im Rahmen einer dualistischen Kriegslogik können sein: das Schüren von Ängsten und der Aufbau kollektiver Bedrohungsszenarien („Terror“), Personifizierungen (Saddam Hussein, Bush, Bin Laden) u.a. Zu den wichtigsten Legitimierungsbzw. Argumentationsmustern demokratischer Gesellschaften gehören seit den 1990er Jahren z.B. die Durchsetzung von Menschenrechten und der Topos vom „gerechten“ oder „humanitären“ Krieg. „Um den Krieg als Kampf gegen das Böse und für die Befreiung der afghanischen Frauen von der islamischen Unterdrückung darzustellen, bedarf es entsprechender medialer Repräsentationen. Den Medien kommt hier die entscheidende

Funktion zu, gesellschaftliche Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsmuster auf breiter Ebene zu strukturieren.“ (Maier/Stegemann 2003: 48) So gelesen ist die Krisen- und Kriegsberichterstattung immer auch eine symbolischdiskursive Verständigung der Gesellschaft über sich und „die Anderen“ und kann als Indikator gesellschaftlichen Wandels bzw. als Spiegel gesellschaftlicher (Geschlechter-)Verhältnisse aufgefasst werden.

 

5. Gendering 9/11

Die enge Verzahnung von Kriegsdiskurs und Gender wird in den Mainstream- Untersuchungen zum Thema Medien und Krieg/Konflikt bisher eher exemplarisch, z.B. wenn es um die Instrumentalisierung von Frauen als Opfer geht, jedoch meistens nicht systematisch berücksichtigt. „Wie auch die vorherigen Kriege ist ‚America’s New War‘ bereits mit seiner Erklärung ein ‚gendered war‘.“ (Forster 2003: 33) Die Analyse von Medien nach dem

11. September zeigt, dass sich ein Gendering der globalisierten Berichterstattung durchgängig in allen Nachrichten, politischen Statements und Reportagen identifizieren lässt,

z.B. in den Heldengeschichten von (militarisierten, männlichen) Feuerwehrleuten am Ground Zero. Männliche Heldengeschichten, die jeden Krieg begleiten, werden in der Regel von

Frauen „dekoriert“; in den Tagen nach den Anschlägen vom 11. September waren Frauen vor allem als Opfer und Angehörige zu sehen (ebd.: 34). Im Folgenden werde ich anhand einiger Beispiele und Untersuchungsergebnisse das Gendering der Berichterstattung näher ausführen. Die Fragen im Rahmen einer feministischen bzw. genderorientierten Forschung lauten: Wie wird Geschlecht vor dem Hintergrund von Krieg und Krise thematisiert und konstruiert? Wann und mit welcher Funktion tauchen Geschlechterbilder in

der Kriegsberichterstattung auf? (15)

 

13 Diese Ausführungen beziehen sich in erster Linie auf den 11. September. So lässt sich zwar auch im Irakkrieg ein Gendering des Krieges in den Medien beobachten, die konkreten Darstellungsformen und der Kontext sind jedoch unterschiedlich. Während Deutschland noch im Afghanistankrieg an der Seite der USA in den Krieg gegen den Terror ziehen wollte, stand der Großteil der deutschen Regierung wie der Bevölkerung dem Irakkrieg 2003 ablehnend gegenüber. Des Weiteren standen zur moralischen Rechtfertigung des Krieges keine vom islamischen Fundamentalismus zu befreiende Frauen im Zentrum der Berichterstattung, wie es noch während des Afghanistankrieges der Fall war. Eine Analyse der Berichterstattung über den Irakkrieg zeigt jedoch, dass ein Gendering des Kriegsgeschehens auch unabhängig von der affirmativen oder distanzierenden Einstellung eines Landes erfolgt. Stereotype Bilder von Weiblichkeit und Männlichkeit können vielmehr sowohl zur Legitimierung als auch zur Delegitimierung von Gewalt und Krieg beitragen.

14 Feindbildkonstruktionen sind ebenfalls eng verknüpft mit der Kategorie Geschlecht, wobei Sexualisierung und Feminisierung des Gegners beliebte Strategien der Abwertung (bei gleichzeitiger Maskulinisierung und Aufwertung der eigenen Nation) darstellen. Andrés Nader untersucht z.B. homophobe Darstellungsweisen bei der Konstruktion von Feindbildern (vgl. Nader 2003).

 

5.1. Geschlechter-Dualismen

Feministische Analysen haben bereits vielfach darauf hingewiesen, dass besonders in Kriegs- und Krisenzeiten dichotome Geschlechterkonstruktionen dominieren. Die stereotypen Zuschreibungen, die Frauen Friedfertigkeit und Opferrolle und Männern Aggressivität und Kampfbereitschaft zuweisen, halten sich hartnäckig und strukturieren bis heute die Kriegsdiskurse. (Vgl. z.B. Goldstein 2001; Neissl/Eckstein 2003; Harders 2004)

Verschiedene empirische Studien belegen (vgl. zum Kosovo-Krieg z.B. Krenn 2003; zum Golfkrieg z.B. Haug 1991, Enloe 1994; zu Vietnam z.B. Jeffords 1989), dass die medialen Darstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit in Kriegszeiten entlang einer Polarisierung traditioneller Vorstellungen verlaufen. Während Frauen vor allem als Kriegsopfer und

flüchtende Mütter dargestellt werden, sind Männer die aktiv Handelnden im Kriegsgeschehen: Experten, Politiker, Soldaten und Täter (vgl. Klaus/Kassel 2003).(16)

Ein konstantes Bild der Darstellungen von Frauen in Kriegssituationen ist die Konstruktion einer schwachen, friedfertigen Frau, die es zu beschützen gilt.(17) Im Gegenzug entsteht das komplementäre Bild des heldenhaften,männlichen Kämpfers und Beschützers. So sind die beiden dichotomen Geschlechterbilder gerade in ihrer Gegensätzlichkeit miteinander verbunden und funktional. Die komplementäre Konstruktion der Geschlechter – friedfertig versus aggressiv – dient der kulturellen Akzeptanz von (männlicher) Aggression und Krieg und kennzeichnet Gewaltanwendung unter bestimmten Umständen als normal und legitim. Die Konstruktion männlicher Kampfbereitschaft verläuft z.B. über eine Aufwertung männlich-aggressiven Verhaltens, während weibliche Gewaltanwendung als die große Ausnahme und besonders erklärungsbedürftig dargestellt wird. (Vgl. dazu Harders 2004a)

Bezogen auf die Darstellung von Geschlecht nach dem 11. September fallen ähnliche Muster auf: Obwohl die traditionellen Geschlechterbilder in westlichen Gesellschaften nicht unbedingt der gelebten Realität entsprechen, scheinen die Rollenzuweisungen nach wie vor entlang klassischer stereotyper Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit zu verlaufen. Frauen werden aus dem öffentlichen Diskurs verdrängt, wenn Kriege und Krisen die Debatten prägen, sie verschwinden aus Zeitungen und Talkshows und können scheinbar in Kriegssachen keine Expertinnen sein.(18)

Mit der zunehmenden Polarisierung geht eine Abwertung von Weiblichkeit einher. Entstehungsphasen kriegerischer Konflikte sind in aller Regel gekennzeichnet durch einen Bedeutungsgewinn der Kategorie Männlichkeit und einen Bedeutungsverlust der Kategorie Weiblichkeit (vgl. Seifert 2002).

In Kriegs- und Krisenzeiten wird eine nationale Einheit beschworen, wobei soziale Hierarchien entlang von Ethnizität, Klasse etc. nivelliert werden. Das idealisierte „eine Volk“ ist dabei paradoxerweise keinesfalls geschlechtslos, sondern wird vielmehr entlang jener Vorstellungen modelliert, die nach Robert Connell (1999) eine „hegemoniale Männlichkeit“ kennzeichnen: Mut, Stärke, Entschlossenheit, Autorität, Durchsetzungswillen und

15 Im Rahmen dieser Ausführungen werde ich dabei den konkreten Darstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit Vorrang gegenüber den genderspezifischen Dimensionen und Konnotationen von Gewaltausübung und Krieg, Angst und Terror, Sicherheit und Schutz, Sieg und Niederlage, Nation und staatlicher Souveränität etc. einräumen.

16 Nach Monika Pater verlaufen die Stereotypisierungen von Weiblichkeit im Krieg hauptsächlich entlang dreier Klischees: Hure, Jungfrau/Madonna und kastrierende Männerkillerin (1993: 102f).

17 Auf das komplementäre Bild der „Kriegermutter“ (Elshtain 1987), das ebenfalls zum altbekannten und unverzichtbaren Repertoire der Weiblichkeitsbilder gehört, wird an dieser Stelle nicht weiter eingegangen. Gabriele Mordt (2002) macht darauf aufmerksam, dass Kampf- und Opferbereitschaft eng zusammen gehören und die Trennung nicht unbedingt entlang der Geschlechtergrenze verläuft. Der Kämpfer vereint ebenso Hass und Aggression wie auch Leidenschaft und Liebe zum Kämpfen sowieOpferbereitschaft für Heimat und Vaterland. Auch das Frauenbild des westlichen Diskurses kennt seit der Antike beide Seiten: die kriegsferne, friedliche „Schöne Seele“ und die aggressive „Kriegermutter“, die im Falle einer Bedrohung ihrer Heimat oder Familie auch zur Gewaltanwendung bereit ist, und die wesentlich dazu beiträgt, die kämpfenden Männer zu unterstützen und Patriotismus und Opferbereitschaft in der Gesellschaft zu stärken.

18 Eine Analyse von Madeleine Buntig brachte z.B. zum Vorschein, dass der Anteil der von Frauen veröffentlichten Artikel in den großen britischen Tageszeitungen nach dem 11.9. im Vergleich zu den Tagen davor, deutlich gesunken ist (2001).

 

 

Gewaltbereitschaft (vgl. dazu auch Mordt 2002). Davon abweichende Positionen werden

feminisiert und damit ausgegrenzt und diskreditiert. Zur „Nicht-Männlichkeit“, also „Weiblichkeit“ gehört z.B. der Vorwurf der Feigheit als ein Synonym für Unmännlichkeit, der z.B. in den Reden von Bush immer wieder auftaucht (Seifert 2002: 59). In der deutschen Politik ist es der Vorwurf der Irrationalität und Unvernunft oder auch der „Heulsuse“. So

geschehen seitens Bundeskanzler Schröder, als Claudia Roth sich für eine

Feuerpause einsetzte, um die afghanische Bevölkerung humanitär zu versorgen.

Die dualistischen Geschlechterkonstruktionen sind ebenfalls untrennbar verknüpft mit nationalisierenden und ethnisierenden Zuschreibungen bzw. der Produktion rassifizierter Differenzen. Im Zuge stereotyper Freund-Feind- Konstruktionen kommt es nach dem 11. September zu einer Betonung und Konstruktion „eigener“, so genannter „westlicher Werte“, zu denen neben Freiheit und Demokratie auch Gleichheit und Emanzipation gehören. In

diesem Prozess erhält die Rolle und Gleichstellung der Frau einen besonderen Stellenwert, indem sie zum Gradmesser für die „Zivilisation“ eines Landes wird. Das Bild der „emanzipierten westlichen Frau“ wird hier vor allem über Abgrenzung und Differenz gegenüber der als „vormodern“ dargestellten „fremden Frau“ konstituiert und gestärkt. „Der Islam“ wird zur neuen globalen Bedrohung stilisiert, was wiederum die Reformulierung einer

kollektiven westlichen Identität als „zivilisierter“ Gemeinschaft ermöglicht, deren Werte es zu verteidigen gilt.

 

5.2. Legitimierungsdiskurse

Bilder von Weiblichkeit begleiten die Berichterstattung eines jeden Krieges, wobei sie besonders die Emotionen der Bevölkerung ansprechen. Weiblichkeit bzw. Frauen symbolisieren vor allem Schmerz, Leid und Trauer eines Krieges. Besonders die Gleichsetzung von Frau und (potentiellem) Opfer erhält eine besondere Bedeutung für die Begründung und Legitimierung eines Krieges. Diskursiv erzeugte Vorstellungen von Weiblichkeit dienen diesen politischen und ideologischen Begründungsmustern in besonderer

Weise, da Weiblichkeit traditionell mit Frieden, Humanität und Unschuld assoziiert wird.

Ein zentrales Motiv für die Legitimation von Gewalt und Krieg ist das der geschlechtsspezifischen Bedrohungen. So gehört der „Schutz von Frauen und Kindern“ zu einer der ältesten Kriegsbegründungserzählungen. In den letzten Jahren wurden Menschen- bzw. Frauenrechte verstärkt zur Kriegsmobilisierung funktionalisiert, wie z.B. Massenvergewaltigungen in Jugoslawien Anfang der 1990er Jahre (vgl. z.B. Fischer 1993; Kappeler/ Renka/Beyer 1993; Jaeger 1998). Was vorher nur in feministischen Diskursen vorkam, hielt Einzug in offizielle politische Statements und bürgerliche Massenmedien. So konnte, oftmals neben den offiziellen Kriegsbegründungen, ein moralischer Handlungsdruck erzeugt werden, der militärische bzw. – so genannte „humanitäre“ – Interventionen unvermeidlich erscheinen ließ. Auch Feministinnen und ehemals überzeugte PazifistInnen, die im Interesse der betroffenen Frauen ähnlich argumentierten, ließen sich im Sinne der Kriegspropaganda und Regierungspolitik vereinnahmen und begrüßten in einigen Fällen schließlich militärische Interventionen (vgl. dazu auch Nachtigall/Dietrich 2003).

Frauenrechte bzw. die „Befreiung der (islamischen) Frau“ dienten auch im Afghanistan-Krieg als Mittel, um den Krieg zu rechtfertigen. So gelang es, den Krieg gegen die Taliban als einen gerechten Krieg und als Kampf für Menschenrechte und Demokratie darzustellen. Bundeskanzler Schröder formulierte diesen Repräsentationszusammenhang in einer Rede vor dem Bundestag (16.11.2001) folgendermaßen: „Wer die Fernsehbilder von den feiernden Menschen in Kabul nach dem Abzug der Taliban gesehen hat, ich denke hier vor allen Dingen an die Bilder der Frauen, die sich endlich wieder frei auf den Straßen begegnen dürfen, dem sollte es nicht schwer fallen, das Ergebnis der Militärschläge im Sinne der Menschen dort zu bewerten.“

Diese Argumentation korrespondiert mit einem Bildmotiv, das nach dem 11. September und dem Beginn der Angriffe auf Afghanistan immer wieder durch die westlichen Medien kursierte und den Krieg im Nachhinein rechtfertigte. Eine Frau mit einer hochgeklappten Burka inmitten von Frauen, die nach wie vor verschleiert sind. Es gibt ungefähr drei

verschiedene Fotos, die besonders häufig in fast allen Zeitungen und Zeitschriften abgedruckt wurden. Die fast identischen Bildmotive offenbaren den Inszenierungscharakter der Fotos (Uschtrin 2002). Die Botschaft ist eindeutig – auch wenn eins der Fotos bereits aus dem Jahr 1996 stammt. (19)

Die Fotos wirken wie ein Versprechen: Eine Frau ist schon entschleiert, bald werden weitere folgen. Die Burka wird auf der einen Seite zum Symbol des Fremden, der Barbarei (gegen Frauen) und des Islams im Allgemeinen. Auf der anderen Seite wird das Kleidungsstück quasi zum Kriegsargument, denn die NATO verspricht, das Land im Interesse der Frauen von den Taliban zu befreien (Klaus/Kassel 2003: 25).

Das Beispiel des 11. Septembers zeigt deutlich, dass dichotome Vorstellungen von Geschlecht – trotz aller Veränderungen der jeweils gültigen Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit – für Kriegslegitimierungsstrategien benutzt werden (können).

 

 

6. Das Beispiel Abu Ghraib - Frauen als Soldatinnen und Täterinnen

Die Herstellung von Geschlechterdifferenz im Kriegsdiskurs verläuft vor allem über die Zuweisung von Aktivität und Passivität. Ein zentrales Motiv bildet dabei die geschlechtsspezifische Zuweisung der Täter- und Opferrolle. Stereotype Weiblichkeitsannahmen prägen bis heute das Verständnis von weiblicher Täterschaft und lassen sich als Muster öffentlicher Wahrnehmung von Täterinnen nachweisen, was ich am Beispiel Abu Ghraib zeigen möchte.

Während die Berichterstattung über den Afghanistankrieg von Bildern verschleierter, „fremder“ Frauen begleitet wurde, standen im Irakkrieg vor allem einzelne Frauen der „westlichen“ Gesellschaften im Fokus der Medienaufmerksamkeit und wurden zum Symbol eines „gelungenen“ bzw. „verfehlten“ Krieges: die US-Soldatinnen Jessica Lynch und Lynndie England. Besonders im Hinblick auf die im Mai 2004 veröffentlichten Folterfotos, auf denen deutlich mehrere Frauen als Täterinnen zu erkennen sind, stellt sich die Frage nach der Bedeutung dieser ungewohnten Repräsentationen von Weiblichkeit. Kriege scheinen nun nicht mehr nur reine Männersache zu sein. Immer mehr Frauen haben hohe politische und

militärische Positionen inne, der Anteil von Frauen in den Militärs steigt stetig an. Frauen sind in ganz unterschiedlichen Bereichen Akteurinnen im Kriegsgeschehen und können, wie im Fall der US-Soldatin Jessica Lynch, zu Kriegsheldinnen werden, wodurch dem Irakkrieg ein bleibendes und „freundliches“ Gesicht verliehen wurde.(20) Jessica Lynch wird zur „Soldatin der Herzen“ und verdrängt die negative Berichterstattung über die ersten

Kriegsopfer (darunter auch die erste tote US-Soldatin) und Misserfolge im Irakkrieg und macht den Kämpfen ein Sinnangebot. Ihre inszenierte Befreiung wiederum appelliert an das typische Bild militärischer Männlichkeit, indem sie die Rolle des zu beschützenden Opfers

 

19 Das mehrfach preisgekrönte Foto des Fotografen Santiago Lyon wurde 1996 kurz nach der Machtergreifung der Taliban aufgenommen und zeigt, wie Frauen sich von nun an kleiden müssen: bald sind alle verschleiert (Grittmann 2003). Das gleiche Bild erscheint nach dem 11. September u.a. auf dem Titelbild des Stern (4.10.2001) unter der Überschrift „Geheimnis Islam“ und wird in einen neuen Kontext gestellt. Es symbolisiert nun das Gegenteil, die Befreiung der Frau bzw. der Befreiung Afghanistans: bald sind alle entschleiert.

20 Die US-Soldatin Jessica Lynch geriet im April 2003 in irakische Gefangenschaft. Über ihre (vom Pentagon inszenierte) spektakuläre „Befreiung“ aus einem Krankenhaus wurde in allen Medien berichtet. Das führte zu einer positiven Wende in der Berichterstattung. Jessica Lynch wurde in den Medien zugleich als hübsche, blonde Heldin und weibliches Opfer präsentiert. (Vgl. auch Prause 2004; Harders 2004a; Claßen 2004) Die Schwarze afroamerikanische Mitgefangene von Jessica Lynch, Shoshana Johnston, fand dagegen kaum Erwähnung in den Medien.

 

 

erhält. Das Bild einer Soldatin, als ein Ausdruck von Geschlechtergleichheit, wird hier

entlang geschlechtsspezifischer Stereotype re-inszeniert.

Die scheinbaren Brüche der herkömmlichen Geschlechterbilder – wie sie besonders anhand der Bilder einer folternden US-Soldatin im irakischen Gefängnis Abu Ghraib konstatiert wurden – sind immer schon von einem Ensemble diskursiver Vorstellungen von „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ überformt. Die Darstellungen und Berichte über eine gefangene US-Soldatin oder eine folternde Frau verbleiben m. E. innerhalb der dichotomen, heterosexuellen Matrix der Zweigeschlechtlichkeit, verbunden mit den traditionellen Vorgaben, was als „weiblich“ und „männlich“ zu gelten hat – bzw. es sind genau diese Vorstellungen, die hier einer Neuverhandlung unterzogen werden. Die Gleichsetzung von Frau und Friedfertigkeit bildet den Subtext, vor dessen Hintergrund die besondere Empörung über eine Frau als Täterin erst verständlich wird.

Deshalb widerspricht das jüngste Beispiel einer folternden Soldatin dem typischen Bild von Weiblichkeit nur zum Teil. Nach einer ersten Sprachlosigkeit und Nicht-Erwähnen war der Schock groß. Die besondere Empörung darüber, „dass auch Frauen zu solchen Taten fähig sind, folgt jedoch einem Frauenbild, das davon ausgeht, Frauen seien als mögliche Mütter sozusagen biologisch unfähig, Leid und Tod zu verursachen.“(21)

Die ausgiebig diskutierte Frage, wie eine Frau zu solchen Taten fähig sein kann, offenbart das zugrunde liegende Verständnis von der Unvereinbarkeit „normaler“ Weiblichkeit und Täterschaft. So bemühten sich mehrere große deutsche Tageszeitungen eilig, gerade „Feministinnen“ als Expertinnen zur Klärung dieser Frage zu gewinnen.(22)

Alice Schwarzer vermutet ein (männerbündisches) „Komplott“ hinter den Bildern (bzw. der Auswahl der Bilder) aus Abu Ghraib, auf denen trotz des geringen Frauenanteils in der Armee insgesamt, überwiegend weibliche Akteurinnen zu sehen sind. Sie argumentiert, dass dadurch „nicht nur die Gegner erniedrigt werden sollten, sondern auch die Frauen in den eigenen

Reihen“. (23)Denn Frauen im Militär bedrohten die mächtigste Institution des Staates, das Militär, und gefährdeten dadurch männliche Privilegien. Ihrer Meinung nach gibt es nur zwei Möglichkeiten für Frauen: „Der Druck in dem männlichsten aller Männerbünde ist enorm hoch für die seit einigen Jahren eindringenden Frauen. Entweder diese Frauen ‚vermännlichen’ sich, wie England, oder sie bleiben sichtbar Frauen und laufen verstärkt Gefahr, selber Opfer zu werden.“ Lynndie England ist für sie lediglich „die Braut des

Haupttäters Charles Graner“. Eigene Interessen oder Verantwortlichkeit spricht sie Soldatinnen generell ab und konstatiert: „Dabei sind die Soldatinnen nichts als Statistinnen in pornographischen Inszenierungen.“ Ähnlich argumentiert auch Heide Oestreich: „Die Folterbilder mit Private Lynndie England spielten mit der Angst des Mannes vor der Domina. Doch eigentlich bestätigen sie die männliche Machtordnung des Militärs. […] Die schwache Frau darf den Gefangenen ‚kastrieren’ und das männliche Militär dokumentiert es. So gelesen wäre Lynndie England ein Instrument des Systems Militär, das sich ihrer bedient, um die größtmögliche Demütigung zu erreichen.“ Lynndie England wird bei ihr gleich zum doppelten Opfer: „Nachdem sie diesen Dienst versehen hat, ist die Rolle der Lynndie England vorerst erfüllt, penetriert fährt sie nach Hause, schwanger.“(24)

Die Empörung über eine weibliche Täterin wird oft mit dem Argument gekoppelt, dass ihre Taten „besonders demütigend für Muslime“ (taz, 3.5.04) seien. Fotos von sexuellen

 

21 Sonja Zekri in der Süddeutschen Zeitung vom 7.5.2004.

22 Interviewt oder angefragt wurden z.B. Christina von Braun, Christina Thürmer-Rohr, Alice Schwarzer, Cynthia Enloe u.a.

23 Die folgenden Zitate stammen von Alice Schwarzer in Emma, Heft 4/2004, S. 6-7.

24 Beide Zitate von Heide Oestreich in der taz vom 11.5.2004. 25 Auf den kulturalistischen und rassistischen Gehalt der Aussagen über „die muslimischen Männer“kann an dieser Stelle aus Platzgründen ebenso wenig eingegangen werden wie auf den homophobenGehalt der Debatte.

 

 

Misshandlungen seien „das Schlimmste was es in der islamischen Welt gibt“ (Stern, 6.5.04). (25) Festzuhalten bleibt jedoch, dass die Demütigungen durch eine Frau nicht nur „den arabischen Nerv getroffen“ (WAZ, 12.5.04) haben. Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass

sich die Konstruktion von (militarisierter) Männlichkeit generell über den Ausschluss und die Abwertung von Weiblichkeit vollzieht (vgl. z.B. Albrecht-Heide 1991; Eifler/Seifert 1999). Nur in dieser Logik funktioniert Ent-Männlichung bzw. „Verweiblichung“ als „Verweichlichung“ und Beschimpfung.

Lynndie England wird zum Symbol und „Gesicht der Folter“, ihre Taten erscheinen als die eines fehlgeleiteten Individuums. Dass diese Person eine Frau ist, eignet sich in diesem Fall ganz besonders gut, um die Taten als Ausnahme und Einzelfall da stehen zu lassen. Das führt im Gegenzug dazu, das Image des in Misskredit geratenen Militärs wieder herzustellen und

aufzuwerten – und seine „natürliche“ Männlichkeit zu betonen. Besonders konservative VertreterInnen nutzten die Vorfälle, um die Einbeziehung von Frauen ins Militär grundsätzlich zu diskreditieren. So titelt z.B. die konservative britische Zeitung The Spectator „Don´t send women to war!“ und „’Female soldier’ is an oxymoron“ (Überschrift der Titelstory, 8.5.04) (26) – nach dem Motto: Das passiert, wenn Frauen beim Militär sind! Frauen bzw. Soldatinnen werden mit Sexualität gleichgesetzt und beschuldigt, die militärische Moral zu unterwandern und das Militär zu schwächen. So schreibt z.B. Kai Müller im Tagesspiegel (27.5.04): „Noch ein anderes Problem lassen die Folterungen erkennen: Während im Westen sukzessive Schamgrenzen fallen und die Sexualisierung immer ungehemmter auf öffentliche Lebenswelten übergreift, müssen demokratische Armeen eine wachsende Anzahl von Frauen in ihren Reihen integrieren, ohne dabei von innen sexualisiert zu werden. Das gelingt nur halbwegs. So wird die Einsatzfähigkeit von US-Truppen durch Schwangerschaften von Soldatinnen (bis zu 33 Prozent) erheblich heruntergesetzt.

Das Folterfoto, auf dem eine – übrigens schwangere – Soldatin sich in der Pose einer Domina fotografieren ließ, scheint diesen Trend zu bestätigen.“

Hinter diesen Ausführungen verbirgt sich ein weiteres bekanntes Motiv: Die Angst vor der Zerstörung des Gemeinschaftskörpers durch zügellose weibliche Sexualität. Weiblichkeit, in diesem Fall verkörpert durch Lynndie England, symbolisiert den angeblichen gesellschaftlichen Sittenverfall, Trieb und Dekadenz und bedroht militärisch-männliche Kultur. Die „Sexualisierung“ des Krieges bzw. seiner Berichterstattung wird dann auch als

Werteverfall und Verlust ehemals ehrbarer Kriegsregeln und Rituale beklagt: „Kriegs- und Körpertrophäen – seien es Skalplocken, Schädel, abgeschnittene Geschlechts- oder sonstige Körperteile – waren einst Symbole eines persönlichen Triumphs über einen persönlichen Gegner. [...] Dabei wuchs der eigene Kriegsruhm mit dem Respekt, dem man dem besiegten

Gegner erwies, und deshalb erniedrigen die Bildjäger von heute mit ihren Opfern auch sich selbst. [...] Der moralische Impetus des Irakkrieges und seine militärische Zielsetzung fasern auf, werden durch diese fotografisch inszenierten kleinen Siege des Fußvolks nicht nur diskreditiert, sondern atomisiert.“(27)

In den Diskussionen um die Vorfälle in Abu Ghraib ist eine Rahmung durch das Thema „Pornographie“ insgesamt auffällig, was in Formulierungen wie „Exzesse von Sex und Gewalt“ (Spiegel 20/2004), „Sado-Maso-Visionen“ (Tagesspiegel, 27.5.2004) oder „Pornographie der Gewalt“ (Süddeutsche Zeitung, 7.5.2004) deutlich wird. Dies resultiert

 

 

25 Auf den kulturalistischen und rassistischen Gehalt der Aussagen über „die muslimischen Männer“

kann an dieser Stelle aus Platzgründen ebenso wenig eingegangen werden wie auf den homophoben

Gehalt der Debatte.

26 Das Titelbild dazu zeigt „Adam“ und „Eva“ vor einen Baum mit Schlange. An Stelle eines Apfels hält

Adam Eva eine Handgranate hin. [http://www.spectator.co.uk/archive.php?issue=2004-05-08]

27 Ulrich Baron in Die Welt vom 14.5.2004.

 

scheinbar nicht nur aus den Bildern selbst, sondern auch daraus, dass sie von einer Frau begangen wurden. Die Pornographisierung der Debatte geht einher mit einer Sexualisierung

der Täterin und einer Re-fixierung von Weiblichkeit. (In diesem Prozess spielt auch die häufige Erwähnung ihrer Schwangerschaft eine wichtige Rolle.) In den Darstellungen von Lynndie England vermischen sich sexualisierte Gewalt und Sexualität, sie variieren zwischen passiv-naivem Sexobjekt (als schwangere Gespielin von Charles Graner), sexbesessen (sie

hatte angeblich Sex vor den Gefangenen, die Bildzeitung titelt „Folterte sie aus perverser Sex-Gier?“) und entfesselter sexueller Perversion und Schrecken. Metaphern von Geschlecht und Sexualität können nicht nur, wie ausgeführt, zu Symbolen der „Bedrohung“ werden. Sie können auch die Funktion einer „Besänftigung und Beruhigung“ einnehmen (Wenk/ Eschebach 2002: 13). In den altbekannten Mustern der Geschlechterordnung erhalten

irritierende Ereignisse eine stabilisierende Rahmung – und können damit neutralisiert werden. (28) Die Rahmung der Ereignisse durch das Thema „Pornographie“ erfolgt hier

auf verschiedenen Ebenen: Auf kollektiver Ebene kann durch diese Rahmung an das Bewusstsein der RezipientInnen angeknüpft und die Irritationen über eine weibliche Täterin aufgefangen werden, die Täterin wird zur „Domina“. Auf der individuellen Ebene kann durch die Sexualisierung von Lynndie England ihre „Weiblichkeit“ und damit verbunden ihre „Anomalie“ und „Perversion“ oder aber ihre weibliche Opferrolle unterstrichen und damit re-fixiert werden. Pornographie gilt in vielen feministischen Analysen (z.B. bei Schwarzer) als Ausdruck männlichpatriarchaler Kultur schlechthin, in der Frauen generell nur Objektstatus

besitzen.

Bereits in der Geschichte wurden Frauen, wenn sie als Täterinnen – z.B. als KZ-Aufseherinnen – in Erscheinung traten, häufig als besonders extrem und grausam, als „Exzesstäterinnen“ (vgl. Kretzer 2002), „Bestien“ (vgl. Wolfram/Weckel 2003) oder teuflisch dargestellt. (29) Die Repräsentation und Wahrnehmung der Täterin als extrem und unnormal erfüllt dabei, wie schon erwähnt, eine kollektive wie individuelle Entlastungsfunktion. Durch die Personifizierung und enorme Überspitzung entsteht das Bild, dass „normale“

Weiblichkeit und Täterschaft nicht zusammengehören können. Eine ähnliche Tendenz lässt sich auch in der Dämonisierung von Lynndie England beobachten: „Das Böse in unserer Mitte“ (Rumsfeld), „die lächelnde Peinigerin aus West-Virginia“ (taz, 8.5.04), „Ikone des bösen Amerikas“, „Umkehrung des Saddam Hussein“ (beides taz, 11.5.04), „feixende

Menschenschinderin“, „Gesicht des Grauens“ (beides Stern, 13.5.04) usw. Die Bösartigkeit von Lynndie England wird noch einmal kontrastiert durch den Vergleich mit Jessica Lynch, deren Befreiungsgeschichte mittlerweile verfilmt wurde und als Buch erhältlich ist. Entlang eines Gut-Böse-Dualismus werden Jessica Lynch und Lynndie England jeweils in Szene gesetzt: „Alle prägenden Gesichter dieses Krieges sind weiblich. Kein Männergesicht

bleibt haften. Amerikas Ikonen aus dem Irak hießen bisher Jessica Lynch und Lynndie England. [...] Doppelgängerinnen, aus denen Heilige und Hure wurden. Die eine, zierlich und scheu, in der Schlacht verletzt, gefangen genommen und befreit – ein Sinnbild der Tapferkeit. Die andere, bübisch und promisk, führt irakische Gefangene nackt am Hundehalsband – ein

Sinnbild des Sadismus.“ (30)

 

28 Diese Ausführungen sind angeregt durch Silke Wenk (2002). In einem sehr eindrucksvollen Aufsatz untersucht sie „Rhetoriken der Pornografisierung“ in Bezug auf den Nationalsozialismus. Sie zeigt, wie pornographisierende Muster der Beschreibung durch die Moral der Geschlechterideologie strukturiert sind und wie dadurch der Schrecken über die realen Geschehnisse relativiert und der Ort des Betrachters gesichert werden kann.

29 Am Beispiel der unterschiedlichen Geschlechtercodierung von SS-Tätern und -Täterinnen im Nationalsozialismus zeigt Christina von Braun (2003), dass weibliche Täterinnen generell „Sichtbarkeit“ und „Anomalie“ symbolisieren, während Männlichkeit zugleich „Unsichtbarkeit“ und „Normalität“ verkörpert. Die besondere weibliche Sichtbarkeit zeigt sich z.B. darin, dass die äußerliche (sexualisierte) Erscheinung der Täterinnen in der Berichterstattung über die Prozesse regelmäßig hervorgehoben wird. Dadurch wird betont, dass sie sich schon rein äußerlich von „normalen Frauen“ – positiv oder negativ –

unterscheiden.

30 Thomas Kleine-Brockhoff in Die Zeit, Heft 25, 2004.

 

 

In diesem Zusammenhang gewinnt eine weitere Argumentationsfigur an Bedeutung. Lynndie England wird nicht nur als „un-amerikanisch“ (George W. Bush) dargestellt, sondern auch als un-weiblich: burschikos, klein, hässlich, bübisch und promisk – wiederum ganz im Gegenteil zu Jessica Lynch, die mit Attributen wie blond, scheu, zart und schlank viel „weiblicher“

erscheint. Durch die Maskulinisierung der Täterin kann die Geschlechterordnung wieder in ein rechtes Lot gerückt werden, was häufig mit einer Entmännlichung und Feminisierung der Opfer einhergeht. (31) So setzte sich nach den ersten Wochen ein anderes Symbol für die Foltervorfälle und den wachsenden Antiamerikanismus durch: das ebenfalls bekannt gewordene Bild von dem verhüllten Gefangenen, die Hände an Drähten angeschlossen und auf einer Box stehend. Auf diesem Bild ist keine Täterin mehr zu sehen, es symbolisiert pures Leid. Die Verhüllung mit der schwarzen Kapuze erinnert zudem an eine verschleierte Frau.

Viele dieser Argumentationsstränge weisen die Tendenz auf, weibliche Täterschaft zu entschuldigen und Frauen kein eigenverantwortliches Handeln zuzugestehen, indem die Frau erneut zum Opfer (der Gesellschaft, des Militärs, der Männer) stilisiert wird. Weiblichkeit und Täterschaft scheinen auch heute noch unvereinbar zu sein.

 

7. Fazit

Zwei Dinge lassen sich am Beispiel Abu Ghraib meiner Meinung nach sehr gut verdeutlichen: Erstens, was in einer Gesellschaft als eine legitime Form von Gewalt (und Mittel der Politik) gilt und was nicht, wird zentral – wenn nicht sogar in erster Linie – über die Kategorie Geschlecht verhandelt. Das hat wiederum weitreichende Auswirkungen auf die Geschlechterverhältnisse bzw. das Verständnis von Weiblichkeit und Männlichkeit und die damit verbundenen Handlungsoptionen. Indem weibliche Gewaltanwendung als große Ausnahme dargestellt wird, erscheint männliche Gewaltanwendung als normal und „natürlich“. Im Falle Abu Ghraib dient die „weibliche Ausnahme“ zur Ablenkung von gängiger militärischer und kriegerischer Praxis und stärkt das Selbstverständnis militarisierter Männlichkeit. Die gesellschaftliche Herstellung von Gewaltbereitschaft bzw. die Akzeptanz von Gewalt als legitimes Mittel der Politik, geht immer auch einher mit Appellen an Männlichkeit und Weiblichkeit bzw. mit geschlechtlichen Konnotationen von legitimer und nicht-legitimer Gewalt.

 Zweitens sind die Geschlechterverhältnisse heute gekennzeichnet durch ein widersprüchliches Nebeneinander von Veränderung und Kontinuität, was sich auch in der Berichterstattung über Kriege und Krisen widerspiegelt. Auf

der einen Seite durchbrechen kämpfende Frauen, Soldatinnen und Täterinnen das bekannte Bild von Weiblichkeit – auf der anderen Seite werden sie weiterhin entlang klassischer Stereotype von Weiblichkeit beschrieben und in Szene gesetzt. So kann die gesellschaftliche (Geschlechter-)Ordnung zwar irritiert und neu verhandelt, aber eben auch wieder hergestellt werden. Die Darstellungen von Männern und Frauen im Kriegsgeschehen verlaufen  heute nicht mehr nur entlang der gängigen Klischees vom aktiven Soldaten/Helden/Täter und passivem Flüchtling/Opfer. Die Geschlechterverhältnisse und die damit verbundenen Bilder von Männlichkeit und Weiblichkeit differenzieren sich zunehmend aus und gehen zum Teil über die traditionellen Dichotomisierungen hinaus, z.B. aufgrund der Tatsache, dass immer mehr Frauen Zugang zum Militär oder zu politischen Positionen haben. Anhand der Beispiele Jessica Lynch und Lynndie England habe ich gezeigt, dass diese widersprüchlichen Repräsentationen von Weiblichkeit innerhalb der hegemonialen Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit verbleiben bzw. entlang dieser Vorstellungen re-inszeniert werden. Die Geschlechterordnung schafft Einordbarkeit und Sicherheit durch Altbekanntes.

 

31 Die Abwertung des Feindes durch Entmännlichung (auch Feminisierung) ist ein wiederkehrendes Motiv bei der Konstruktion von Feindbildern. Als Geste einer symbolischen Entmännlichung lässt sich z.B. das Bild lesen, auf dem Lynndie England mit dem Finger (was in der Gestik auch an eine Waffe erinnert) auf die Genitalien eines irakischen Gefangenen zeigt.

 

Ohne den Subtext „friedfertige Frau“ ist nicht zu verstehen, warum besonders Bilder von Weiblichkeit Emotionen wecken und im Kriegsdiskurs als Hingucker funktionieren und funktionalisiert werden. Weiblichkeit symbolisiert auch heute noch Frieden, Kriegsferne und

„Unschuld“. Die Vorstellungen eines „gerechten“ oder „sauberen“ Krieges erscheinen umso glaubwürdiger, je mehr Frauen als Akteurinnen vertreten sind (vgl. Haug 1991; Schießer 2002; Claßen 2004). Die Einbeziehung von

Frauen kann deshalb auch grundsätzlich einer Aufwertung der gesamten Institution Militär dienlich sein.(32)

Mit diesen Überlegungen ist ein paradoxes Spannungsfeld beschrieben, indem sich die heutigen Geschlechterverhältnisse befinden: FortschreitendeGleichberechtigung und Abbau der Geschlechterhierarchie auf der einenSeite – Kontinuitäten in der Inszenierungen von Weiblichkeit und Männlichkeit nach altbekanntem dichotomen Muster auf der anderen Seite.

 

32 Mordt (2002: 76) gibt dagegen im Anschluss an van Creveld zu Bedenken, dass es sich dabei nicht unbedingt um eine geschlechterpolitische Errungenschaft handelt. Die „Feminisierung“ des Militärs durch Öffnung für Frauen sei vielmehr Zeichen für einen Relevanzverlust der Institution Militär insgesamt.

 

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Ankündigungen (siehe: Aufrufe und Einladungen)  
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Kosovo, Bosnien und Herzegowina, Georgien, Afghanistan, Usbekistan ,Sudan
Horn von Afrika (Djibouti) und vor den Küsten Libanons und Somalias

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